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Christian Friedrich Daniel Schubart

Der Gefangene
(1782)

Gefangner Mann, ein armer Mann!
   Durchs schwarze Eisengitter
Starr ich den fernen Himmel an
   Und wein und seufze bitter.

Die Sonne, sonst so hell und rund,
   Schaut trüb auf mich herunter;
Und kömmt die braune Abendstund,
   So geht sie blutig unter.

Mir ist der Mond so gelb, so bleich,
   Er wallt im Witwenschleier;
Die Sterne mir - sind Fackeln gleich
   Bei einer Totenfeier.

Mag sehen nicht die Blümlein blühn,
   Nicht fühlen Lenzeswehen;
Ach! lieber säh ich Rosmarin
   Im Duft der Gräber stehen.

Vergebens wiegt der Abendhauch
   Für mich die goldnen Ähren;
Möcht nur in meinem Felsenbauch
   Die Stürme brausen hören.

Was hilft mir Tau und Sonnenschein
   Im Busen einer Rose;
Denn nichts ist mein, ach! nichts ist mein,
   Im Muttererdenschoße.

Kann nimmer an der Gattin Brust,
   Nicht an der Kinder Wangen
Mit Gattenwonne, Vaterlust
   In Himmelstränen hangen.

Gefangner Mann, ein armer Mann!
   Fern von den Lieben allen,
Muß ich des Lebens Dornenbahn
   In Schauernächten wallen.

Es gähnt mich an die Einsamkeit,
   Ich wälze mich auf Nesseln;
Und selbst mein Beten wird entweiht
   Vom Klirren meiner Fesseln.

Mich drängt der hohen Freiheit Ruf;
   Ich fühl's, daß Gott nur Sklaven
Und Teufel für die Ketten schuf,
   Um sie damit zu strafen.

Was hab ich, Brüder! euch getan?
   Kommt doch und seht mich Armen!
Gefangner Mann! ein armer Mann!
   Ach! habt mit mir Erbarmen!


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