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Christian Friedrich Daniel Schubart

Die Fürstengruft 
(1780)

Da liegen sie, die stolzen Fürstentrümmer, 
  Ehmals die Götzen ihrer Welt!
Da liegen sie, vom fürchterlichen Schimmer 
  Des blassen Tags erhellt!

Die alten Särge leuchten in der dunklen 
  Verwesungsgruft wie faules Holz,
Wie matt die großen Silberschilde funklen! 
  Der Fürsten letzter Stolz.

Entsetzen packt den Wandrer hier am Haare, 
  Geußt Schauer über seine Haut,
Wo Eitelkeit, gelehnt an eine Bahre, 
  Aus hohlen Augen schaut.

Wie fürchterlich ist hier des Nachhalls Stimme! 
  Ein Zehentritt stört seine Ruh.
Kein Wetter Gottes spricht mit lautrem Grimme: 
  O Mensch, wie klein bist du!

Denn ach! hier liegt der edle Fürst! der Gute! 
  Zum Völkersegen einst gesandt,
Wie der, den Gott zur Nationenrute 
  Im Zorn zusammenband.

An ihren Urnen weinen Marmorgeister;
  Doch kalte Tränen nur von Stein,
Und lachend grub - vielleicht ein welscher Meister, 
  Sie einst dem Marmor ein.

Da liegen Schädel mit verloschnen Blicken,
  Die ehmals hoch herabgedroht,
Der Menschheit Schrecken! - Denn an ihrem Nicken 
  Hing Leben oder Tod.

Nun ist die Hand herabgefault zum Knochen, 
  Die oft mit kaltem Federzug
Den Weisen, der am Thron zu laut gesprochen, 
  In harte Fesseln schlug.

Zum Totenbein ist nun die Brust geworden,
  Einst eingehüllt in Goldgewand,
Daran ein Stern und ein entweihter Orden 
  Wie zween Kometen stand.

Vertrocknet und verschrumpft sind die Kanäle, 
  Drin geiles Blut wie Feuer floß,
Das schäumend Gift der Unschuld in die Seele, 
  Wie in den Körper goß.

Sprecht, Höflinge, mit Ehrfurcht auf der Lippe, 
  Nun Schmeichelein ins taube Ohr! -
Beräuchert das durchlauchtige Gerippe 
  Mit Weihrauch wie zuvor!

Er steht nicht auf, euch Beifall zuzulächeln,
  Und wiehert keine Zoten mehr,
Damit geschminkte Zofen ihn befächeln, 
  Schamlos und geil wie er.

Sie liegen nun, den eisern Schlaf zu schlafen, 
  Die Menschengeißeln, unbetraurt!
Im Felsengrab, verächtlicher als Sklaven, 
  In Kerker eingemaurt.

Sie, die im ehrnen Busen niemals fühlten 
  Die Schrecken der Religion
Und gottgeschaffne, beßre Menschen hielten 
  Für Vieh, bestimmt zur Fron;

Die das Gewissen, jenem mächt'gen Kläger, 
  Der alle Schulden niederschreibt,
Durch Trommelschlag, durch welsche Trillerschläger 
  Und Jagdlärm übertäubt;

Die Hunde nur und Pferd' und fremde Dirnen 
  Mit Gnade lohnten und Genie
Und Weisheit darben ließen; denn das Zürnen 
  Der Geister schreckte sie.

Die liegen nun in dieser Schauergrotte, 
  Mit Staub und Würmern zugedeckt,
So stumm! So ruhmlos! - Noch von keinem Gotte 
  Ins Leben aufgeweckt.

Weckt sie nur nicht mit eurem bangen Ächzen, 
  Ihr Scharen, die sie arm gemacht,
Verscheucht die Raben, daß von ihrem Krächzen 
  Kein Wütrich hier erwacht!

Hier klatsche nicht des armen Landmanns Peitsche, 
  Die nachts das Wild vom Acker scheucht!
An diesem Gitter weile nicht der Deutsche,
  Der siech vorüberkeucht!

Hier heule nicht der bleiche Waisenknabe, 
  Dem ein Tyrann den Vater nahm;
Nie fluche hier der Krüppel an dem Stabe, 
  Von fremdem Solde lahm.

Damit die Quäler nicht zu früh erwachen; 
  Seid menschlicher, erweckt sie nicht.
Ha! früh genug wird über ihnen krachen 
  Der Donner am Gericht.

Wo Todesengel nach Tyrannen greifen,
  Wenn sie im Grimm der Richter weckt,
Und ihre Greul zu einem Berge häufen,
  Der flammend sie bedeckt.

Ihr aber, beßre Fürsten, schlummert süße
  Im Nachtgewölbe dieser Gruft!
Schon wandelt euer Geist im Paradiese,
  Gehüllt in Blütenduft

Jauchzt nur entgegen jenem großen Tage,
  Der aller Fürsten Taten wiegt,
Wie Sternenklang töne euch des Richters Waage,
  Drauf eure Tugend liegt.

Ach, unterm Lispel eurer frohen Brüder -
  Ihr habe sie satt und froh gemacht,
Wird eure volle Schale sinken nieder,
  Wenn ihr zum Lohn erwacht.

Wie wird's euch sein, wenn ihr vom Sonnenthrone
  Des Richters Stimme wandeln hört:
«Ihr Brüder, nehmt auf ewig hin die Krone,
  Ihr seid zu herrschen wert.»


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