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Christian Friedrich Daniel Schubart

Die Forelle
(1777/84)

Warum ist mir das Morgenrot 
So blutgestreift? die Welt so tot? 
Warum strahlt mir das Sonnenlicht 
Oft so beschwerlich ins Gesicht? 
Und warum weint die Wolke mir? 
Was traurt der Linde Blütenzier? 
Die Lüfte wimmern: jedes Bild 
Ist mir in Trauerflor gehüllt! - 
Der Tau, beglänzt vom Sonnenschein, 
Deucht mir vom Schmerz geweint zu sein, 
Die Wohlgerüche in der Luft 
Umschwimmen mich wie Gräberduft; 
Die lieben Blümlein allzumal 
Sind mir versengt vom Sonnenstrahl. 
Der Vogel aus der Luft herab 
Tönt mir wie Sterbgesang am Grab; 
Und alles, alles um mich her 
Scheint kummervoll und tränenschwer. 
Die Farben grün und weiß und rot 
Sind abgestanden, schwarz und tot. 
Die Menschen, deren Trost ich such, 
Sind Geister, die im Leichentuch 
Mich ansehn bleich und furchtbar-stumm: 
Du guter Gott! warum, warum? 
Hast du der ganzen Erde Pracht 
Zu einem Totenschlund gemacht? - 
Ach nein! die Welt ist noch wie vor, 
Nur dem, der Freiheit! dich verlor, 
Ist diese Welt, so schön gemacht, 
Ein Totenschlund voll Fluch und Nacht; 
Wo alles heult, den Schädel schlägt, 
Verzweiflung brüllt - und Ketten trägt! - 
O Gott im Himmel, mach mich frei 
Aus dieser Höllentäuscherei!! -


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