Christian Friedrich Daniel Schubart
Schwäbisches Bauernlied
(1782)
So herzig, wie mein Lisel,
Gibt's halt nichts auf der Welt,
Vom Köpflein bis zum Füßel
Ist sie gar wohl bestellt:
Die Wänglein weiß und rot,
Ihr Mund wie Zuckerbrot.
So herzig, wie mein Lisel,
Gibt's halt nichts auf der Welt.
Viel weicher als die Seide
Ist ihr kohlschwarzes Haar,
Und ihre Äuglein beide
Sind wie die Sternlein klar;
Sie blinzeln hin und her,
Sind schwarz wie Vogelbeer.
So herzig, wie mein Lisel,
Gibt's halt nichts auf der Welt.
Im Dörflein ist kein Mädchen
So fleißig wie mein' Braut;
Im Winter dreht sie 's Rädchen,
Im Frühling pflanzt sie's Kraut;
Im Sommer macht sie Heu,
Träge Obst im Herbst herbei.
So herzig, wie mein Lisel,
Gibt's halt nichts auf der Welt.
Auch schreibt sie, 's ist ein Wunder;
Jüngst schickt sie mir 'nen Brief,
Daß mir die Backen runter
Das helle Wasser lief;
Liest sie in der Postill,
So bin ich mäusleinsstill.
So herzig, wie mein Lisel,
Gibt's halt nichts auf der Welt.
Ihr sollt sie tanzen sehen,
Mein trautes Liselein;
Sie hüpft und kann sich drehen
Als wie ein Wieselein;
Doch schleift und tanzt sie dir
Am liebsten nur mit mir.
So herzig, wie mein Lisel,
Gibt's halt nichts auf der Welt.
Oh, traute Lisel! länger
Renn ich nicht hin und her;
Es wird mir immer bänger,
Wenn doch die Hochzeit wär:
Im ganzen Schwabenland
Kriegst keine treure Hand!
O du, mein traute Lisel!
Wenn doch die Hochzeit wär!
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